| "Die Gemeinde", 13.09.04 |
Jesus Tag in Berlin: Christen beteten um erneuerte Hingabe an Christus»Feiern. Beten. Handeln« – 40.000 gingen Berlin für Jesus Christus auf die StraßeBerlin – Zur größeren Hingabe an Jesus Christus hat der Baptistenpastor Dr. Heinrich-Christian Rust (Braunschweig) die rund 40.000 Teilnehmer des „Jesus Tags“ am 11. September in Berlin aufgerufen. Das Treffen war von den Veranstaltern bewusst auf den Jahrestag der Terrorattentate von New York und Washington gelegt worden, um Gottes Versöhnungsangebot in die Öffentlichkeit zu tragen. In einer Predigt am Brandenburger Tor sagte Rust, Jesus Christus hänge am Kreuz, um „Versöhnung zu schaffen zwischen Gott und Menschen; zwischen Mann und Frau, zwischen Freund und Feind“. Er wolle eine zerrissene Welt heilen und Menschen und ganze Völker aus dämonischen Belastungen lösen. Rust, der zum Vorstand des überkonfessionellen „Jesus Tags“ und der „Geistlichen Gemeinde-Erneuerung“ im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden gehört, sagte wörtlich: „Das Kreuz Jesu ist der Ansatzpunkt für alles Leben, es ist der Wendepunkt aus dem Terror und dem Hass der Welt – das Kreuz Jesu ist der Zielpunkt für alle, die unterwegs sind und Gott suchen.“ Kritische Worte richtete Rust an die Adresse der Kirche. Jesus weine nicht nur über den Schmerz dieser Welt und über den Terror, sondern auch über „eine Kirche, die das segnet, was Gott ein Gräuel ist; eine Kirche, die das biblische Wort verschließt und verzerrt, eine Kirche, die vergessen hat, dass sie für Arme da ist“. Rust nannte in dem Zusammenhang keine Beispiele, etwa die Segnung von Homosexuellen, er nannte auch keine Kirche konkret. Auch in manchen evangelikalen Gemeinden werden nach Überzeugung von Rust Prioritäten falsch gesetzt: „Wir arbeiten und dienen und sind fleißig; wir haben unsere Besprechungen, unsere Tagungen und Konferenzen – während die Menschen verloren gehen und dahin sterben.“ Der Baptistenprediger lud die Teilnehmer des Jesus Tags ein, ihre Hingabe an Jesus Christus zu erneuern. Tatsächlich folgten Tausende seinem Aufruf, knieten sich auf den Asphalt nieder und beteten mit ihm gemeinsam ein Hingabe-Gebet. Das Treffen unter dem Motto „Feiern. Beten. Handeln“ zählte rund 10.000 Teilnehmer weniger als vor vier Jahren. Dennoch zeigte sich Rust zufrieden mit der Resonanz. Denn viele Teilnehmer seien ermutigt worden, ihren Glauben offensiver im Alltag konkret zu leben. Dafür seien auf dem Treffen zahlreiche praxiserprobte Modelle vorgestellt worden. Er rechne deshalb damit, dass dieser Jesus Tag auch langfristig Folgen zeitigen werde. Am Reichstag wurde etwa ein "Band der Hoffnung" genäht. In der Kapelle der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche beteten Christen für Randgruppen. Erfreut zeigte sich Rust im Gespräch mit der in Kassel erscheinenden Zeitschrift „Die Gemeinde“ darüber, dass in diesem Jahr der „Jesus Tag“ nicht von fruchtlosen theologischen Debatten überschattet gewesen sei. In früheren Jahren war eine zu starke charismatische Ausrichtung des Treffens kritisiert worden, das bereits zum vierten Mal in Berlin stattfand. Daraufhin habe man in diesem Jahr den Trägerkreis deutlich um Vertreter aus den Reihen der Evangelischen Allianz erweitert. Auch zahlreiche Baptisten, vor allem aus Berliner Gemeinden, seien mitmarschiert. Vorsitzender des Trägerkreises ist der landeskirchliche Berliner Pfarrer Axel Nehlsen. Ein persönlicher Höhepunkt am Rande des Treffens war für Rust die Veranstaltung „Israel lebt“ am Alexanderplatz. Um sich solidarisch mit Israel zu zeigen, formierten sich einige Tausend Teilnehmer zu einem großen Davidstern. Sogar das israelische Fernsehen habe darüber berichtet. Nach Angaben der Polizei verlief der Marsch nicht nur ohne Zwischenfälle - es sei die erste Demonstration gewesen, die den selbst produzierten Müll wieder mitgenommen habe. Kassel, 13. September 2004 |




