Über allem die Liebe - 10 Predigten

Heinrich Christian Rust
Ca. 160 S., Geb. mit Lesebändchen
Bestellnr. 639.616, ISBN 978-3-87939-616-0, € 14,95

Vorwort von Dr.Michael Utsch
Ist über die Liebe nicht schon alles gesagt worden? Was will ein freikirchlicher Pastor dazu noch Neues beitragen? Diese Gedanken schossen mir durch den Kopf, als ich das Manuskript von Heinrich Christian Rust durchblätterte. Beim Lesen wurde ich jedoch eines Besseren belehrt.

Das Buch enthält zehn Predigten, die vermutlich alle in der Braunschweiger Friedenskirche gehalten wurden und um das Thema Liebe kreisen. Sie sind anschaulich formuliert und lebenspraktisch ausgerichtet. Immer holen sie die Leserin und den Leser bei der eigenen Erfahrung ab. Zahlreiche Bilder verdeutlichen das Gesagte eindrücklich - mir persönlich ist besonders die Vorstellung vom „geliebten ‚Wurm’ Gottes“ nachgegangen.

Das Genre der Predigtbände wird heute zu Unrecht vernachlässigt. Natürlich wird man dazu auch im Internet fündig. Aber das Lesevergnügen auf dem Balkon, im Bett oder am Badesee lässt sich einfach besser mit einem Buch realisieren. Zum anderen regen Predigten zum Nachdenken über das eigene Leben an. In einem Buch können persönlich bedeutsame Sätze unterstrichen und Anmerkungen gemacht werden. Das macht Bücher unverzichtbar – außerdem benötigen sie keine Steckdose.

Das Neue Testament weist darauf hin, dass der Glaube aus der Predigt kommt. Nicht gelehrte Theologie, sondern erprobte und bewährte Glaubenserfahrung hilft einem Gottsucher, seine eigene Geschichte mit Gott zu vertiefen und entschlossener den Spuren Jesu zu folgen. Nach meiner Wahrnehmung haben wir heute kein Wissens-, sondern ein Umsetzungsproblem. Trotz eine Flut theologischer Fachliteratur ist Experten zufolge der christliche ‚Grundwasserspiegel’ in den letzten Jahrzehnten dramatisch gesunken. Ein Predigtband wie der vorliegende eignet sich hervorragend dazu, dieser Notlage Abhilfe zu verschaffen und Menschen Hilfestellungen bei der Umsetzung ihres theologischen Wissens zu geben.

Dieses Anliegen schimmert durch jede Zeile dieses Buches durch. Die Predigten sind von der reichen seelsorgerlichen Erfahrung des Braunschweiger Pastors geprägt. Hier hat kein etablierter und wohl situierter Theologe vom Schreibtisch aus schöne Reden verfasst. Vielmehr ist den meist sehr persönlich gehaltenen Predigten die Liebe Gottes abzuspüren, die Heinrich Christian Rust selber erfahren haben muss, um sie auf derart leidenschaftliche Weise weiterzugeben. Die Lebenserfahrung vieler Menschen mit ihren Abgründen, schwer auszuhaltenden Widersprüchen und der großen zwischenmenschlichen Kälte wird bei allem Nachdenken über die grenzenlose Barmherzigkeit und Liebe Gottes nicht ausgeblendet. Immer wieder werden diese Fragen aus der seelsorgerlichen Begleitung aufgegriffen und thematisiert. Dabei wird nicht einfach auf die jenseitige Ewigkeit vertröstet, sondern konkrete Hilfestellungen gegeben, die verändernde Liebe Gottes zu einer alltäglichen Erfahrung zu machen.

Skeptische, ja zweifelnde Anfragen an die Vorstellung der unbedingten Liebe Gottes erspart sich Rust nicht. Ob es das unermessliche Leid in der Welt ist oder sein (Alb-) Traum eines buddhistischen Dorfes im schönen Sachsenland im Jahr 2020: Auch tiefschürfende und existenzielle Fragen wie die Theodizee oder die religiöse Vielfalt in der Postmoderne greifen die Predigten auf. Dabei wird ein einfaches, aber prägnantes methodisches Prinzip durchgängig eingehalten: Mit den aufwühlenden Fragen wird der Predigttext befragt und ausgelegt. Der Prediger sucht keine schnellen Antworten, sondern arbeitet   arbeitet intensiv mit dem Text. Nicht umsonst werden häufig Begriffe aus dem griechischen Urtext erläutert, einmal hat Heinrich Christian Rust den Predigttext aus dem Römerbrief sogar selber übersetzt.

Trotz des gediegenen Wissens und der sorgfältigen Exegese steht das seelsorgerliche Anliegen einer konkreten christlichen Lebenshilfe im Mittelpunkt der Predigten. Dem Buch sind Leserinnen und Leser zu wünschen, die ihre Lektüre nach dem Konsum erbaulicher Gedanken nicht beenden, sondern sich einladen lassen zu einer Zwiesprache mit Gott: Was heißt das für mein Leben? Welchen konkreten nächsten Schritt kann ich tun, damit die Liebe Gottes spür- und sichtbarer meinen Alltag prägt? Ein Buch also, das nach der Lektüre noch mehr Spannung verspricht als beim Lesen – wo gibt es das sonst noch?!